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Michael Richter
Michael Richter @AAphorismen Wer am Leben nicht verzweifelt, macht irgend etwas falsch. Antworten Retweeten Favorisieren 18. Nov
Michael Richter
Michael Richter @AAphorismen Am Ende hat sich das Denken vielleicht selbst ausgedacht? Antworten Retweeten Favorisieren 18. Nov

 

gedichte

 

 

 

daß

daß die worte aus mir brechen
die mich innerlich verletzen
und mich bis hierher getrieben
daß die worte aus mir brechen
die mich bis hierher verletzt
und mich innerlich getrieben

 

 

 

 

feldweg


einst
zogen
in seinen spuren
alte lieder
mühsam
übers land.

heut gehst du,
zwingst
aus dem stein,
aus dem sand,
dem trockenen
kein wort.

 

 

 

 

nicht zu spät

 

welcher ruf an mich ergeht
was für ein wind
durch meinen schatten weht
ich bin es
der noch unbetroffen steht
heut ist es
und morgen nicht zu spät

 

 

 

viel sprache

 

viel sprache
spült der wind
die zeit entlang

sie fällt
und steigt
und wird
zum singen
lebt
zeit und wind
jede bewegung nach

da geht sie
laß sie gehen
jeden gang
ist doch getrieben ihren weg

 

 

 

jugendherbst

 

flußabwärts
gingen wir
die schmalen pfade

und schwammen
fast lautlos mit
dem weißen mond.

mit den jungen bäumen
bogen wir uns
im windweg;
und ruhten wir,
griffen die hände
tief in die erde.

die zeit erst
spannte den bogen
in uns, daß wir klingen
wie glasdrähte.
die schnellen lieder
von heute
werden auf uns gespielt.

 

 

 

 

phrase

 

sinnentleert
liegt der gedanke
am boden des wortes
zerstört,

der satz
totgeboren.

 

 

 

 

versuch

 

zwischen
hingabe und flucht,
zugeständnis und zurückhaltung,
liebe und haß,
in die eigene stumpfheit hinein
sich begreifen
als versuch.

 

 

 

 

sprache

 

rissig sind die lieder
und die worte janusköpfig.
die lügen haben lange beine.

die sprache,
ein stumpfes schwert,
breite wunden
reißt sie beim treffen.

 

 

 

abschied ohne bedeutung

 

die haut voneinander nehmen,
und der wind geht dazwischen.

 

 

 

Stille

 

wir
kennen
nur
das
schweigen,
das
unser
reden
bricht.
wir kennen nicht die stille, die unser schweigen trägt.

 

 

 

für nono


wein
durch mich
hinweg
wilder wein

trag die zeit
nun
an mein bett
deine zeit meine zeit

warte noch an der tür
bis sie nicht mehr schließt
gründe findest du verlierst du
komm und geh

 

 

 

ich bin das gehetzte tier

 

ich bin das gehetzte tier
in der stadt
bedrückt
von nebeln
aus wasser und sprache.

in die schatten der alten häuser
gehe ich,
ruhe mich aus
in den muffigen seelen ihrer treppen.

 

 

 

stadtherbst

 

wind noch
vögel und
wolkenzug
erinnern mich an den herbst
den ich in lichten wäldern
einst betrat.

die fassaden der stadt
haben die jahreszeiten
geschluckt.

der wind nur
geht mir durchs haar.

 

 

 

lied beim gehen

 

niedriger wird der flug des kranichs,
wenn er im süden sein ziel erreicht.
doch ist ihm das laubland vertraut geworden,
steigt er wieder dem fliehenden winter entgegen.

 

die hand nun geben und gehend lachen
und wieder schon aufgestiegen sein;
es bleiben winterländler genug
zum erfrieren und überleben.

 

die liebt nur, die singen auf kahlen zweigen schon,
wenn der fremde noch meint, dies land sei gesanglos.
die tauben und spatzen, sie bleiben,
weil sie nicht sterben auf ödem land.

 

 

 

die corycische höhle

 

trittst du
aus der höhle von corycos
und deine gedanken
sind von der schärfe der schatten
zerschnitten,
so opfere
dein stammeln ariadne.

 

 

 

karneval der späten worte

 

in ihren schönsten kostümen
promenieren die späten worte.
mit geschliffenen schnörkeln
die runzligen ärsche verdeckend.
von krepp und plüsch umrahmt
das immer schon so gesagte,
nie wahrgewesene.

in neuen formulierungen
der alte befehl
nun als bitte
wer folgt,
fällt in einen sumpf
drapierter lügen.

 

 

 

wie das licht

 

einst
saßen die alten
am feuer
bis asche nur blieb.

wie das licht,
das wir brennen,
leben wir.

 

 

 

lügenring

 

lügenring
lügenring
dreh dich schnell
über den finger
hab ich dich gestreift

lügenring
lügenring
dreh dich schnell
bevor ich billiger dich verkauf

 

 

 

ruhig geht die zeit


ruhig geht die zeit
von atem zu atem,
und erst wenn das letzte wort
den raum still werden läßt,
geht sie in die blaue mitte der welt.

 

 

 

mein freund

 

hast dich in kleinigkeiten verloren,
von mancher schwelle den fuß genommen,
den scharfen blick in die ecke gestellt.

 

was für eine zeit
hat in deine klaren augen
einen stein geworfen?

 

komm,
laß uns einkehren,
unsere fragen neu zu schärfen.

 

 

 

essen

 

mit dem hunger
sich tief
ins weiße brot lehnen

den durst
in warmer milch
ertränken

und alles
was sich spiegelt
ist satt

 

 

 

träumerei


aus einem stillen haus
bist du gekommen

hast mir träume
in die augen gelegt

wie licht waren sie
im labyrinth meiner gedanken

 

 

 

zarathustra

 

lange habe ich
unter den dunklen himmeln gelegen,
bis mir die seele
zu blauem kristall erstarrte.

das leere echo der städte
rief mich nicht rechtzeitig,
die liebe breitete ihr wärmendes zelt
nicht über meinem herzen.

mein zimmer barg mich umsonst,
täuschte umsonst.
selbst meinen freunden bin ich entkommen.
sie hätten fast mich gebunden.

 

 

 

Entblindung

 

Kurz sagen
was man schon lange will

 

Steine auf die Blicke legen
bei der Entblindung

die Schweigelinien kreuzen
bis sie schreien

Die Schreie bündeln
bis zum Ersticken

 

die Schreie
die Flakscheinwerfer
bis zur Verblendung
zur Erleuchtung

 

 

 

Ich vergehe

 

Ich vergehe

ich vergehe an dir

ich vergehe mich an dir

ich vergebe

ich vergebe dir

ich vergebe mich an dich

ich vergebe mir

ich habe mich vergangen

ich bin dir vergangen

ich bin vergangen

 

 

 

Träume

 

Trinke im Nebel

die Lieder

gefrorener Stille

 

aus dem silbrigen Rasen

steigen

die Träume

versunkener

Geschlechter.

 

 

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